
Rein äußerlich sind sie ein ungleiches Gespann: Eduardo, 26 Jahre jung, gebürtiger Venezolaner, mit dunklen Walle-Locken, und die 67-jährige Ute Töpler aus Wurzen, das weiße Haar sommerlich kurz geschnitten. Aber im Herzen harmonieren die beiden wunderbar, wie in bester Oma-Enkel-Beziehung. Ihre schöne Freundschaft entspringt einer Wahlverwandtschaft, die vor etwa eineinhalb Jahren begann.
Ute Töpler benötigte wegen ihres gebrochenen Beins dringend Unterstützung, weshalb sie einen Hilferuf an die Pflegeberatung der Diakonie Leipziger Land schickte. Als ihr Mann im Sterben gelegen hatte, waren ihr die Kolleginnen eine wichtige Stütze gewesen. Jetzt stellten diese den Kontakt zum Besuchs- und Begleitdienst des Engagement-Zentrums her, das Ute Töpler mit Eduardo bekannt machte. Aus dessen Heimatland Venezuela sind nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe rund 8 Millionen Menschen – rund ein Viertel der Bevölkerung – wegen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs mit massiver Armut und Hyperinflation, einer der weltweit höchsten Kriminalitätsraten und politischer Repression geflohen.
Noch neu in Deutschland suchte Eduardo Gesellschaft, wollte sich nützlich machen und – zusätzlich zu seinem Halbtags-Sprachkurs – seine Sprachkenntnisse verbessern. Nach dem ersten Kennenlernen war Ute Töpler überzeugt: „Den nehme ich!“ Neben seinem Ehrenamt in der Oschatzer Bibliothek hat er seitdem ein weiteres bei der Diakonie übernommen. Fast täglich verbringen die beiden Zeit miteinander, erzählt Ute Töpler. Es werde „viel gelacht und gequatscht“. Eduardo könne sogar schon ein bisschen Sächsisch und über seine Wortschöpfungen amüsiere sie sich königlich: Einen Menschen, der Dinge schnell erledigt, „Unschnecke“ zu nennen – darauf muss man als Nicht-Muttersprachler erstmal kommen. Spiele, Radtouren und etwas Gartenarbeit stehen genauso auf dem Plan wie Ausflüge in den Spreewald, nach Hamburg, München oder Berlin. Eduardo bereitet begeistert Gerichte aus seiner Heimat zu, z. B. Hallacas – in Bananenblättern gekochtes Fleisch mit Maismehl – oder Empanadas und riesige Sandwiches. Ute Töpler, deren Mann als Fleischer früher meist das Kochen übernommen hatte, probiert diese ebenso begeistert aus: „Es schmeckt immer und ist wie eine andere Welt.“
In ihrem Bekanntenkreis ist die Offenheit dafür allerdings eher durchwachsen. Und auch Eduardo musste schon „Ausländer-raus“-Rufe auf Volksfesten hören. Sein Glaube an das Gute im Menschen ist trotz manch negativer Erfahrungen
unverwüstlich. „Diese Dankbarkeit, Bescheidenheit und Aufmerksamkeit sind beeindruckend, ich lerne so viel von ihm“, erklärt Ute Töpler. Und Auch für Eduardo ist sein Ehrenamt ein Türenöffner und großer Gewinn, der das Heimweh und die Einsamkeit in einer komplett anderen, in vielerlei Hinsicht kühleren Welt lindert. Seine Mutter lebt noch immer in Lateinamerika und Eduardo freut sich, dass seine „beiden Mamas“ inzwischen via Messenger in Verbindung sind.
Der Besuchs- und Begleitdienst vermittelt geschulte Freiwillige an Menschen mit Behinderung oder Erkrankung sowie an Seniorinnen und Senioren zur gemeinsamen Freizeitgestaltung. Der Dienst ist kostenfrei und deckt keine Haushalts- oder Pflegearbeiten ab. Neue Ehrenamtliche werden in Pegau, Grimma, Naunhof, Lossatal, Threna, Rötha und Borna gesucht. In Machern, Colditz, Geithain, Kitzen und Bennewitz wiederum stehen Freiwillige bereit: Hier können sich Interessierte melden, die den Dienst kostenfrei in Anspruch nehmen möchten. Das Engagement-Zentrum begleitet beim Erstkontakt, bietet Beratung, Unterstützung und Schulungen an.

Unsere Website wurde in den vergangenen Monaten überarbeitet und neu strukturiert. Ziel war es, Informationen klarer darzustellen und den Zugang zu unseren Angeboten zu erleichtern – sowohl für Menschen, die Unterstützung suchen, als auch für diejenigen, die sich engagieren möchten.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt nun auf dem Bereich Pflegeselbsthilfe, der erstmals eine eigene Rubrik auf der Website erhalten hat. Dort finden pflegende Angehörige gebündelte Informationen zu Selbsthilfegruppen, zu Gesprächsangeboten sowie zum Besuchs- und Begleitdienst. Die neue Struktur soll es erleichtern, passende Angebote zu finden und sich schnell zu orientieren.
Die Website ist außerdem besser auf die Nutzung mit mobilen Endgeräten abgestimmt. Inhalte werden wir in den kommenden Wochen weiter ergänzen und aktualisieren. Wir laden Sie ein, sich auf der neuen Website umzuschauen. Wenn Sie Hinweise, Fragen oder Anregungen haben, freuen wir uns über eine Rückmeldung.
Schwere und Leichtigkeit in der Selbsthilfe - Austausch im Selbsthilfe-CaféWie viel Schwere gehört in eine Selbsthilfegruppe – und wie kann trotzdem Raum für Leichtigkeit entstehen? Mit dieser Frage beschäftigten sich Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Selbsthilfegruppen beim Selbsthilfe-Café am 3. März in der KISS Grimma.
Schwere Themen gehören zur Selbsthilfe selbstverständlich dazu. Viele Gruppen beschäftigen sich mit Krankheit, Verlust oder belastenden Lebenssituationen. Gleichzeitig wurde im Austausch deutlich: Wenn Treffen dauerhaft von schweren Themen geprägt sind, kann das auch ermüdend wirken. Umso wichtiger ist es, bewusst auf ein Gleichgewicht zu achten.
In einem kurzen Impuls wurde dazu das Bild einer Waage aufgegriffen: Schwere braucht ein Gegengewicht. Neben dem Raum für Belastendes können auch stärkende Elemente wichtig sein – etwa Humor, positive Einstiegsfragen, gemeinsames Kaffeetrinken oder kleine Aktivitäten, die den Zusammenhalt fördern.
Im anschließenden Austausch berichteten die Teilnehmenden aus ihren eigenen Gruppen und sammelten Ideen, wie Treffen gut gestaltet werden können. Dabei wurde deutlich, dass sowohl klare Strukturen als auch eine wertschätzende Gruppenatmosphäre eine wichtige Rolle spielen.
Genannt wurden zum Beispiel:
gemeinsame Gruppenregeln, die für alle sichtbar sind
klare Zeitstrukturen und Pausen
eine Verteilung von Aufgaben innerhalb der Gruppe
zusätzliche lockere Treffen, etwa ein gemeinsames Frühstück im Café
Auch die Frage der Wahrnehmung spielte eine Rolle: Woran merkt man eigentlich, wenn ein Thema für einzelne zu belastend wird? Neben auffälliger Unruhe oder Ablenkung wurde besonders der stille Rückzug einzelner Personen als wichtiges Signal beschrieben.
Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, wie wertvoll der Austausch zwischen Selbsthilfegruppen ist. Viele Teilnehmende nahmen neue Anregungen für ihre eigene Gruppenarbeit mit.
Das Selbsthilfe-Café findet regelmäßig in verschiedenen Regionen des Landkreises statt und bietet Raum für Begegnung, Erfahrungsaustausch und gegenseitige Unterstützung.
Ein kleines Dankeschön für großartigen Einsatz - Weihnachtsfeier für EngagierteJedes Jahr ist der 5. Dezember im Engagement-Zentrum für eine schöne Veranstaltung reserviert: Die Einrichtung der Diakonie Leipziger Land organisiert passenderweise zum Tag des Ehrenamts ein Adventstreffen für die Freiwilligen im Familienpaten-Projekt sowie dem Besuchs- und Begleitdienst. 22 Engagierte waren der Einladung ins Mehrgenerationenhaus Grimma gefolgt.
„Wenigstens einmal im Jahr sollte man von ganzem Herzen den Menschen danken, die etwas für die Gesellschaft tun“, sagt Freiwilligen-Koordinatorin Corinna Franke zur Begrüßung. Oft seien es gar keine großen Gesten, sondern eher kleine Dinge, stille und herzliche Momente oder Begegnungen, die einen Unterschied machten. „Danke für ihre Zeit und Geduld, ihren Mut und ihr Herz!“
Die Wertschätzung für großartigen Einsatz im Ehrenamt lässt sich auch sehen und schmecken. Das Team des Engagement-Zentrums hat die Tafel liebevoll weihnachtlich geschmückt und serviert selbst gebackenen Kuchen sowie Stollen.
Nach dem fröhlichen Kaffeetrinken werden weihnachtliche Gestecke kreiert, gibt es Live-Musik zum Mitsingen und ein Abend-Büfett. Bei den Ehrenamtlichen kommt dies alles sehr gut an. Man lernt sich besser kennen und genießt die gelöste Stimmung sowie eine kleine, stärkende Auszeit.
In der sympathischen Runde mittendrin sitzt auch der 26-jährige Eduardo Guerra aus Venezuela, den das Engagement-Zentrum im Rahmen des Besuchs- und Begleitdienstes an Ute Töpler vermittelt hat. Er sei für sie „wie ein Enkel“, sie wiederum übe mit ihm Deutsch, manchmal auch Sächsisch, wie Ute Töpler augenzwinkernd erklärt. So profitieren beide vom Ehrenamt, deren Förderung sich das Engagement-Zentrum auf die Fahnen geschrieben hat.
Aktuell werden sowohl für das Familienpaten-Projekt als auch für den Besuchs- und Begleitdienst überall im Landkreis weitere Freiwillige gesucht.